wolgataitsch – tes kenne mir noch

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Henriette
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wolgataitsch – tes kenne mir noch

Сообщение Henriette » 11 янв 2011, 15:13

Wolgataitsch – tes kenne mir noch oder
a wolgataitsche Eck – wo mir spreche, schwätze oder papple


Liewe Lait!

Tes erste mal schreib ich wolgataitsch, er ist schwer, ich ssehe lauder Fehler, tes pin ich toch kar net kewehnt.
Viele tenge, es kipt nur an wolgataitsch. Sso is es aber net. Es hot viele Terwer kewe, fast in jedem Tarf hot man anerster kesproche. Wenn ich tenge an das hochtaitsche Wart „haben“, so ka’mer ssage:
Ich habe, ich hun, ich hap, ich häp, ich han. Unsere Lait hen kessagt: ich hun, die von Herzog: ich han.
Mir hen kessagt: es ist späth, die Oberdorfer hen kessagt: es ist spouth. Man muss es richtig verstehe, wenn es pei uns späth war, wars pei tene spouth.
Oder a Kuh. Pei uns is kessagt wore: Kuh, viele ware’s Kih.
A bekannde Fra aus Moor hot zu ihrem Mann kessagt: richtig ist: Kou, viele ssind Koi.
Ihr 2. Mann – an Taitsche aus tem Kaukasus, ach von der Wolga dorthin kanga – hot kessagt: Na, richtig ist Kuh. Da ssagt die Frau: Und wie ssind viele? Kuj?
Sso war es mit tene wolgataitsche Sprouche. Wenn ich schreib „Sprouche“, is tes „ch“ kei „ch“ und kein „g“ – irgendwo midetrin.
Ich hun a Fra kennegelennt, ihre Mudder stammt aus Walter. Ssie ssin 1941 nach Omske tou hi komma, ssie hada im Tarf lauder Taitsche, nur tie Lehrer ware Ruse. Ti hen alles taitsch kesproche, ach ti Kinner un ti junge Lait. Ti ssin nach Taitschland komma un spreche krad waider taitsch. Sso schej kann es ssai. Ihre Kroußmudder war a geborene Wagner. Na, ssie ssaga net Wagner, ssie ssaga die Wogners. Es is kei „o“, es is wos middetrin, sso als ob an Wage um den Hof herum fahre tut.
Tes wolgataitsch ka’mer als Kinner lenne oder ach späjder. Letztes Johr hemmer uns in Büdingen ketrowe, aner, ter is ach hier im Forum, hot richtig schej wolgataitsch kesproche. Ich hun zu ihm kessagt, waast tu, tu host an wolgataitsche Akzent. Ja, ssagt er, tes waas ich, mir hen immer taitsch kesproche, ich pin in ti Schul komma und konnt kei rushich. Rushich ist ach sso a Wart, kei „ss“ , mehr a „sh“.
An Ukraine-Taitscher is nach Kasachstan zu lauder Wolgataitschen komma. Er hat schej hochtaitsch kesproche un als er so angefanga hot hochtaitsch zu spreche, lacha ihn die Wolgataitsche aus. Ter Mensch hot mit tene kei Taitsch mehr kesproche.
Wahrscheinlich is es ach tenen Taitsche aus ter Schweiz so kanga, wenn ti Wolgataitsche a mol kelacht hen … Das Lewe war immer schwer.
Mei Kroußmodder konnt kei Rushich, ssie hot wie die Moore keproche, ich waas es aber net me, es ist so lang her. Wenn aber an Kasak vor tem Tor kestanne hot und was kefragt hot, hot die Kroussmodder taitsch keantwort. Ter Kasak war zufriede un is fort.
Meinem Mann ssei Kroußmutter konnt ach kei Rushich, ssie is nach Taitschland komme un hot immer nur taitsch kesproche. Wenn die Enkel rushich kesproche hen, hot ssie ssich keärgert, ssie hot kessagt, ihr wollt, tass ich nix versteh.
Newe meinem Kroußvadder in Kasachstan hot a Kasaggamäde kewohnt, ssie hot als Kind schon taitsch kesproche und späder Lehrerin kelennt. Ssie is uns ten Taitschen arig tankbar.
Wenn pa mein Kroußvadder an Kasak in Houf komma is, hot ter Kroußvadder kessagt: “Was will’r schon wieder? Er war toch kestern tou.“ Hot ssei Ssou keantwort: „Na, Tada, tes war an anre“. „Ach, Teiwel, ssie ssehe alle kleich aus“, hot ter Kroußvadder kessagt.
Ja, sso war’s, manche hen Tada kessagt und manche Paba.

Liewe Lait, wenn ich Fehler kemacht hab, tut einfach triwer kugge.
Hill, Heberlein, Braun aus Walter und Walter-Chutor; Pinnecker, Rose, Michel aus Moor; Lindt, Eckhardt aus Kraft; Lindt, Schmidt, Lorenz, Weber, Heinze, Kandlin, Siegfried, Helmer aus Oberdorf; Hill, Eckhardt, Kehl, Mick Braun, Boger aus Rostow Gebiet

paul.liek1987
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wolgataitsch – tes kenne mir noch

Сообщение paul.liek1987 » 15 окт 2018, 15:13

Aber ohne Wortschatz ist die Aussprache nutzlos.Wenn ich nichts sagen kann,weil ich keine Wörter kenne und keine grammatischen Regeln (auch wenn ich sie selbst finden muss),was kann ich mit der Aussprache anfangen?Es ist mir bewusst,dass ich nie wie ein Muttersprachler Wolgadeutsch sprechen werde.Aber es war trotzdem schon immer mein Traum,es zu lernen und zumindest ein einfaches Gespräch führen zu können.

pflaum
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wolgataitsch – tes kenne mir noch

Сообщение pflaum » 15 окт 2018, 19:10

Ich würde es so machen - in der Bücherei zuerst einmal den "Wolgadeutschen Sprachatlas (WDSA) aufgrund der von Georg Dinges 1925-1929 gesammelten Materialien. Berend, Nina und Rudolf Post (Hg.)" bestellen. Dort ist der Wortschatz aus den wolgadeutschen Kolonien anhand der Wenkersätze zusammengetragen worden. Suchen Sie die Kolonie ihrer Vorfahren aus und schon haben Sie ein Grundmuster. So sehen Sie, ob man für z.B. "ich habe" - "ich hun", "ich hon", "ich häb" usw. lernen müsste. Das gute ist, dass in diesem Atlas auch erklärt wird wie sich die Dialekte entwickelt haben. Warum z.B. "Glaube" im Dialekt "Glaawe" heißt, "Haus" aber "Haus" bleibt. Ein gutes Buch ist auch das "Russlanddeutsche Dialektbuch" von Nina Berend. Um sich einen Wortschatz anzueignen, würde ich mit den russlanddeutschen Schwänken anfangen, sie wurden überwiegend in den 1960er und 1970er Jahren von den wolgadeutschen Muttersprachlern geschrieben. Ein paar Beispiele: "Vetter Gottlieb liebt die Wahrheit", Auswahl von Leo Marx; "Nicht aufs Maul gefallen", Auswahl von Leo Busch.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. :-)
Die Haaptsach, mir sin dr'haam.

v.rau
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Сообщение v.rau » 16 окт 2018, 10:54

pflaum писал(а):
15 окт 2018, 19:10
Wolgadeutschen Sprachatlas (WDSA
Den gibt's gebraucht schon ab 40 Euro.

paul.liek1987
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Сообщение paul.liek1987 » 16 окт 2018, 23:05

Vielen,vielen Dank!

Sanderje
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Сообщение Sanderje » 20 окт 2018, 22:07

paul.liek1987 писал(а):
13 окт 2018, 22:04
Ich hab so eine Meinung schon oftmals gehört.Aber wie unterscheidet sich Wolgadeutsch vom z.B. Standarddeutschen?Das ist eigentlich eine der Varietäten,also auch eine Sprache.Und wenn man andere Sprachen lernen kann,dann kann auch das Wolgadeutsche erlernt werden.Außerdem spreche ich bereits Hochdeutsch und ein wenig Plautdietsch,ich glaube,es wäre verhältnismäßig leicht für mich.
Liewer Paul, ich finn’s so schej, dass du Wolgataitsch lenne willst. Awer des wert arich schwer sei for dich n pasende Lehrer zu finne. Des gebt re näjmlich fast ga koo Leit ,wu des noch kenne. Ich konn’s ahch net. Un die Leit , wu dohiere schreibe tue, die brichte näjmlich ahch oons, wu‘s na beibringe täit. Mir lebe do in Taitschlont in die unnerschiedliche Plätz. Un die unsre Sprouch die tut sich varmische mit Schwäbisch, Bayrisch,Sächsisch un was nor noch alles. Un die Sprouch war ahch schun varmischt driwwe in Rossej, Kasachstan un so.w. Un wommer schich die VIDEOS mit die BEISPIEL ougugge tut, muss mr saa , dass dr Monn ,wu des spreche tut, ahch n grouße rusische Akzent hot. So wie mir warscheinlich all . Un du host recht , die alde Leit die werre immr wejnicher, wu des noch halbwechs spreche kenne. Die alde Sprouche die sterbe so sachtichje aus. Traurich awer Wohr. Du solst awer dei Kopp net hengge lose. Gejh doch mol bei ALDI,LIDL un s.w. Gugg dich dortse mol um. Villecht trefst du dort mol e alt Moderje oder e Vaderje vun Ruselond , wu dir helwe kenne die Sprouch zu lenne. Weil unnich die alde, so 80+, kommer sche noch finne, wu villeicht ga net schreibe kenne, wu nix vun COMPUTER varstehe, awer noch richtich paple kenne. Un noch was ., so dialekt zu lenne is net unmejchlich. Ich hun selwerscht gesehe un geheert wie die Russe oder Kasagge, wu in taitsche Derwer gelebt hen, so n Dialekt oune Schwierichkeide gsproche henn.Wie ahch ville Taitsche perfekt KASAGGISCH kunde. Un ich saa ahch „ Wo ein Wille dort auch ein Weg“. *THUMBS UP* *THUMBS UP* *THUMBS UP* *THUMBS UP* *THUMBS UP*

v.rau
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Сообщение v.rau » 21 окт 2018, 11:41

Sanderje писал(а):
20 окт 2018, 22:07
Wie ahch ville Taitsche perfekt KASAGGISCH kunde.
Jetzert iwertraiwste awer... )))
Tes hot scho taitsche Kinner gewe, die pa die Kasagge ufgewachse sin, dafir hen die ka Taitsch mehr ksproche.

paul.liek1987
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Сообщение paul.liek1987 » 24 окт 2018, 14:00

Danke für Ihre Ratschläge!

Sanderje
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Сообщение Sanderje » 24 окт 2018, 15:23

Ja, gugg.Graduliere.Des was ich gsriebe hun, des host du doch varstonne.Des is doch schund e guude Oufong. *THUMBS UP* *BRAVO*

paul.liek1987
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Сообщение paul.liek1987 » 24 окт 2018, 17:33

Ich verstehe alles oder fast alles,was da geschrieben wird,aber antworten kann ich nur auf Hochdeutsch oder Plattdeutsch.Wolgadeitsch kann i nedd spreje)

pflaum
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Сообщение pflaum » 31 дек 2018, 18:16

Neujahreswunsch

Es ist noch früh und stockdunkel. Ich will gerade aufstehen und meinen Frühsport beginnen, als es im Treppenhaus ganz unerwartet laut knallt.
„Um Himmlswille, was war dann das?!“ meidet sich meine Frau.
„Do hot uns aanr 's Neijohr ougschosse“, vermute ich und schlüpfe rasch in meine Kleider. Da klopfte es auch schon an die Tür, Ich öffne und — vor mir steht Vetter Karl, unser alter Freund.
„Viel Glick im neie Johr! Ich winsch eich n runde Tisch, an jeder Eck n gbackne Fisch, in dr Mltt e Kann voll Wein, do wolle mr all recht lustig sein.“
„Das winsche mr eich aach, Vettr Karl“, sage ich. „owr Schnaps krietr kaan.“ Der Alte blickt mich entgeistert an.
„Ihr macht jo grausame Spaß, Iwan Petrowitsch“ sagt er und schnappt nach Luft, „ufs Neijohr hun ich mich noch immr gfreit, 's brengt doch Glick un Sege, un e Schnäpsje, woll net? Ihr hat woll Ernst? So schee wie ich gschosse un gwunsche hun!“ Er zeigt seinen Hohlschlüssel und die Zündhölzer mit denen er schoß.
„Nun, Ernst... gerade nicht. Mir ist's so von der Zunge gesprungen.“ So hat man im alten Dorf zu Neujahr gar oft den Wünschern geantwortet. Man antwortete dem Wünscher nicht deswegen „so grausam", weil man mit seinem Schnaps nicht herausrücken wollte, sondern weil man keinen hatte...
„No, wenn's Spaß war“, lächelt Vetter Karl, do winsch ich eich noch mol, un gebt mir's gleich, loßt mich net so lang steh — ich muß noch e Häusje weitrgeh..."
„Wos eiltr dann?“ sage ich, „mr kenne jo nochm Schnäpsje e bißje sitze un vrzähle."
„'s geht net, Iwan Petrowitsch“, wehrt sich Vetter Karl, „ich muß dr Leit noch viel Erfreuliches iwrbrenge un noch mehr Glick im neie Johr winsche. Wißtr, daß heit dr neie Zirkus zu arweite oufangt? ihr Leit, ihr Leit! Ich war drin un hun mr das Gschäft ougeguckt — 1812 Mensche kenne saras in mordsscheene Sessl sitze un Gott waaß, wos fore Foxe un Gunststickerjer mit ougucke. Awr so lang wie die Schülr Ferije hun, komme mir do net an die Reih…“
Wir freuten uns über die Mitteilung unseres Freundes, weil der Zirkus einzigartig sein soll, wie gar manches in unserer Großstadt... ' „Also, herzlichen Dank, un recht viel Glick im neie Johr“, wiederholt Vetter Karl, „ich muß jetz zu dr Wäs Liese — die alt Frau is bettlägrig un so gut wie abgschnitte vom Lewe. Die werd sich freie, wann ich komm.“
Und er stürmt davon. Es ist dem lebendigen Alten ein großer Genuß, wenn er den Menschen eine Freude bringen, einen Dienst leisten kann. Er macht Bestellungen auf Zeitungen, verfaßt Bittschriften, bringt Beschwerden an den Mann, kurzum, er hilft allen Bedürftigen, wie 'und womit er nur kann. Aber zu Neujahr will er Glück bringen und wünschen, daß es allen immer gut gehe, daß unsere Heimat in Frieden ihr Aufbauwerk unbehindert voran bringt. Ein unverkleideter, aber echter Ded Moros...

Klemens Eck
1979
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Sanderje
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Сообщение Sanderje » 13 янв 2019, 01:36

Na Ihr Leit, Ich hun jetzert gedenckt, „ Do guckst e mol rei do hiere, wlleicht gebts was naies“ . Un werklich. Dr Flaum hot e schej Gschichtje reigschriebe, for uns all zu graduliere un for uns all was schejnes winsche fors naijohr. N schejne Tonk for des. Ich tu aich aach e glicklich naies Johr winsche. E bissje zu späjt gwiss ,awer doch beser wie ka net. Gelle? Ich finn des Gschichtje arich schej ,weil ich do drbei drou tengge muß, wu mr so was selwert gmacht hot, bah die Leit gejhe un winsche. Un do hemmr aach grat so bah die Leit an dr Tiir gklopt, hemmr aach was vun m Tisch un vun m Fisch gsaht . Des hot mr awer blouß bah die Taitsche Haisr mache kenne. Bah die Ruse hemmr aach gklopt,awer do hemmr gsaht „ Сею сею пасеваюб с Новым годом паздравляю“. Haupt sach des war lustich, un do hot mr gmonetlich e Schnäpsje gkriet. Gelle? Wistrsch noch? Flaum des wär schej, wannst mejner solche Gschichtjer nei schreibe täist. E bissje stuzich un traurich hot mich des Gschichtje awer toch gmacht. Näjmlich gons am Enn do stejt gschriebe „daß unsere Heimat in Frieden ihr Aufbauwerk unbehindert voran bringt“. Des Aufbauwerk is warscheinlich „Kommunismus“. Oder? Hun ich des richtich verstonne? Awer des war selemol so , do hot mr iwerall so was neischreibe mise.

pflaum
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Сообщение pflaum » Сегодня, 12:50

DR DORFDIPLOMAT

Dr Christjan is dr brafste Mann in unserm Dorf. Der trübt ka Wässerche. Un die Gdult hot r all uf dr Welt. Den ausm Häusche bringe, des hot n Bart. Ewr wie dr Kinomechanik, dr Grischka, kom un s Kretje, sei Tochter, ufs lange Johr zur Maad numme wollt, do hot dr Alte gfußelt. Der hot ka ruhig Plätzche gfunne, wie 's ewent geht, wann die Gdult platzt. Den Grischka hat dr Christjan am liebsten drei Teiwel vermacht. Im vorige Johr hatr unsern Alte zu gwittersch kritisiert, un aach a Liedche ufn gdicht, un des hot sich alles so schö greimt:

Der alte Vetter Christian,
Des is a stiller Mann:
Doch wenn r in die Schlinge kriet,
Der denkt recht lange dran.

Wos is, muß mr losse. Dr Vetter Christjan hat Alterschwäche. Als Vrkäufer, hot r oft vrgesse d Leut die Rausgob zu gewe. Un dr Grischka — ras un s Lied wor fertig. Un a Melodie? Wann dr ghört hat «Hätt ich dich nicht gesehen».
Un des könnt dr Vetter Christjan dem Grischka net vrzeihe. «Denkt euch», hott r gsot, «der Kritiker soll jetzt mei Tochtermann gewe! Net, un domit basta».
„Dr Christian hot die Nachtruh verloren. Er könnt nix esse un is rumgonge als hätte ihm die Hinkel s Brot „genomme. Un wann mr vom Grischka bei ihm wos ohgfange hot, gnädige Welt!
«Su a Schönsprecher, su a Bilderweiser, den kann ich doch im Wind net rieche. Un ich mit dem uner aam Dach wohne, o aam Tisch essa?»
Aach s Kretje hot sich net mehr ähnlich gsehe. Des hat Ursach do drzu: 's hat, wie die Leut bhaupt hun, zu tief ins Gläsche geguckt un hot sich zusehends gefüttert...
Dem Schreiwer sei Ratschmarie, die hot nirgens gschafft un könnt dem Ratschgeschäft abwarte, die hot des erfohrn, un dann ginge die Weibermäuler, als wem sie mit Entefett geschmiert. Bsonders wann dem Kretje sei Mama net in dr Dicht wor. Des alles hot dr langohrige Petruschka, dem Christjan sei guter Gumm, gehört un dem Gumm gesteckt. Ewr do...
Der Alte rennt ham, die Kapp ufs Kanabe geworte, die Filzstiefel in die Eck, un n Kopp gedrückt, wie siewe Tog Regewetter. Bliska ne chodi, dr Deiwel is los. Die Gdult is geplatzt, sollt des bedeute.
Sei Fraa hat sich drweil n Plan ausgarweit. Die soll, wie die Ratschmarie behaupt hot, mit n Deiwel studiert hun. «Kimmst m grob — kracht 's, kriegst poor tüchtige ufs Pläß. Ohne die kannst du ruhig auskomme“, hot sie gedenkt.
„Sie hot den Alte ruhig sitze losse, is in die Eckstub gonge, hot die Aage verdreht un sich vor die Mutter Gottes gestellt, un los: «Liewe Mutter Gottes, du host mr schon su oft aus dr Not geholfe, helf mr wieder. Mein Alter, Christjan Adamowitsch heißt r, daß du net so lange zu suche brauchst, hot dr Böse hamgesucht. Bei uns sagt man, dr Deiwel. Helf mr aach in dere schwere Stund, nie mnogo proschu ja, wann du Russisch verstehst, geb mir etwas Weisheit odr wie mr bei uns sagt — Schlangelist, daß ich mein Alte droukrieg, s Jawort gewe. Mach's, ich loss's o nix fehle, a Kerz wie a Ochsehorn is dr gesichert.»
«Christjan, Christjan», hot sie gesoot. Un die Träne sein r iwr die Backe gerollt. Den Alte, unsern Vetter Christjan, hot sie geküßt un oh sich gedrückt. «Christjan, Christjan, willst wohl s Kretje uf sei Lebtog unglicklich mache? Siehst doch vor Aage, daß des Kind nett mehr allaa is... Des hot noch allem Hunger. Kraut un Kreide schraubt 's weg, wie unser scheckige Gasbock. Geb dei Jawort, geb dem Kind dr Sege.»
„Du sprichst vom Sege? Dr Grischka hot ihm schon dr Sege ohne mich gewe. Ich gewe s Jawort, des geht ewr gege mei Natur, Alte», hot r gesot.
's Kretje un dr Grischka hun sich zusammenschreiwe losse, Hochzeit gefeiert un lewe sich glicklich. Aus dem Grischka hot 's n tüchtiger Mann gewe, un schaffe tutr wohrhaftig wie n Ochs.
Dr Christjan un sei Alte fühle sich aach glücklich. Unlängst maant der Alte zur Alte: No, Alti, wos du net fertig bringst, des bringt aach dr Deiwel net fertig. Du bist ewend a richtiger Dorfdiplomat.»
Un die Alte: «Die Motter Gottes hat uns wieder geholfe...»
Un der Alte: «Dreck hat sie geholfe. Ich hat die himmlische Angst, daß des Kretje mr mei Lebtog im Gnick sitze bleibt. Des hot mich gezwu'nge, s Jawort zu gewe.“

David Busch
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Winter
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Сообщение Winter » Сегодня, 13:45

Waldemar Ebel ist 1951 im Dorf Neninka, Region Altai in einer Bauernfamilie geboren. 1973 absolvierte er die Altaier polytechnische Hochschule, arbeitet als Ingenieur in einem Betrieb, wohnt in Barnaul. Die Humoreske „Die Kräppel" ist die erste Veröffentlichung von Waldemar Ebel.

DIE KRÄPPEL

Sind Sie nicht ein Feinschmecker? Nicht? Schade! Und ich bin einer. Deswegen habe ich von meinem ledigen Leben Abschied genommen. Ich erinnere mich noch ganz gut daran, wie mich Lieschen zu sich eingeladen hatte und mit heißen gebräunten Kräppeln bewirtete. Kaum hatte ich den ersten Kräppel aufgegessen, so wurde mir klar, daß ich verloren bin. Ich verschlang sie einen nach dem andern und konnte nicht aufhören.

,,Willst du noch?" fragte Lieschen mit liebevoller Stimme und leuchtenden Augen.

„Ha", antwortete ich, und sie eilte in die Küche. Nach einigen Minuten standen vor mir wieder heiße frischge¬backene duftende Kräppelchen.

Am nächsten Tag machte ich Lieschen meinen Heiratsantrag, und nach einem Monat war mein Schicksal besiegelt. So bin ich bei meinem Lieschen in Gefangenschaft geraten, besser gesagt: bei ihren Kräppeln.

Seitdem kann ich nicht mehr ohne schmackhaftes Essen leben. Wissen Sie schon, was Bischofsbrot ist? Wohl nicht? Es wird aus Butter, Zucker, Eiern, Mehl, Wallnüssen, Mandeln, Kochschokolade und anderen Backzutaten bereitet. Es muß goldgelb gebacken und dann noch mit Vanillezucker bestreut werden.

Vielleicht haben Sie schon mal Brasilianische Torte gekostet? Sehr bedauerlich. Das ist eine sehr schwere und sättigende Torte, die noch viel herrlicher mit Obstsaft schmeckt. Oder hatten Sie mal das Glück, Berliner Eisbein zu essen? Oder die tschechischen leckeren Zwetschenknödel? Wie? Sogar die Betrunkene Torte nicht? Sehr schade! Sie haben viel verloren.

Übrigens habe auch ich nichts davon im Mund gehabt. All dies habe ich heimlich von meiner Frau in ihren verschiedenen Kochbüchern gelesen. Von denen hat sie so viele, daß das Bücherbrett fast durchbricht. Und dazu schneidet sie allerlei Speiserezepte aus Zeitschriften und Reklameblättern heraus, schreibt sie bei ihren Freundinnen und Bekannten ab, erlauscht sie in der Straßenbahn, und Gott weiß noch wo. Im Bücherschrank ist ein ganzes Fach voll von Heften mit solchen Notizen — und all dies von der schmackhaften und gesunden Speise!

Entschuldigen Sie bitte, beim Erzählen habe ich fast vergessen, auf die Zeit achtzugeben. Bald muß meine Frau zurückkommen. Sie rennt wieder nach einem neuen Buch über Kochkunst in der Stadt herum. Und bei mir ist noch kein Teig angerührt. Vor dem Weggehen befahl sie mir, Kräppel zu backen. Ich muß sie oft backen, weil meine Frau sie sehr gern ißt. Selbst versteht sie das Backen nicht. Gewiß, meine Kräppel sind weit nicht so gut, wie jene an dem denkwürdigen Tag, und deswegen ist es stets eine Ursache zum Streiten.

Wie, was? Wie hat sie denn die Kräppelchen damals gebacken? Ach, das war ja gar nicht sie, sondern ihre Mutter. Und Lieschen hat die verdammten Kräppel nur aus der Küche auf den Tisch getragen.

Also sind Sie kein Feinschmecker? Keiner? Ach, wie beneide ich Sie!
Интересуют колонии и люди Гнаденфлюрского (Федоровского) кантона

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Winter
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Сообщение Winter » Сегодня, 13:50

David Worm. Dorf Gnadenflur.

WAS DER OBERVORSTEHER VERSCHWIEG

Das trug sich noch bei der Zarenregierung zu, wenn ich nicht irre, im Jahre 1912. In den deutschen Dörfern gab es sehr wenig Leute, die Russisch verstanden.Da hieß es auf einmal,' man wolle in dem nahegelegenen russischen Dorf Woskressenka einen Zuchtbullen für die Gemeinde ankaufen. Lange zerbrach man sich vergeblich den Kopf darüber, wen man nach Woskressenka schicken könnte. Endlich wurde eine Gemeindever-sammlung zu diesem Zweck einberufen. Wer wird den Bullen ankaufen? fragte man sich. Da schlug jemand den Obervorsteher Iwan Petrowitsch vor, den reichsten Bauern in unserem Dorf.Der Obervorsteher fühlte sich sehr geschmeichelt.„Wamr mir so e Ehr ohtut", dachte er für sich, „demnoch hot mr mich gern." Doch diese Sache hatte ihren Haken...„Dr Owrvorsteher", wurde da eine Stimme laut, „no,des is jou n kluger Mann, awr der war doch net im Soldatedienst und vrsteht net Rusch."Da erhob sich der Obervorsteher würdevoll und sagte:„Liebe Gemeindemitglieder, ich sin schun 12 Johr Owrvorstehex un hun schun oft mitm Semski-Natschalnik viel Frage vrhandelt; die wu Gott und Kaiser ohginge. Un des ging doch alles uf rusch."

Gewiß, Iwan Petrowitsch verschwieg allerdings, dass bei diesem Unterhaltungen ihm der Kreissehreiber als Übersetzer diente. Das sollte ihm aber teuer zu stehen kommen.Selbstverständlich stimmte die Versammlung für den Obervorsteher.. Wie denn auch sonst! Der Mann hatte mit so hohen Herrschaften gesprochen. Es wäre doch eine Schande gewesen für ihn, hätte man seine Kandidatur abgetan.

Am nächsten Tag — die Junisonne meinte es so gut —machte sich Iwan Petrowitsch auf den Weg nach Woskressenka, als Begleiter nahm er sich den alten Vetter Hans-peter mit, der außer den Wörtern „da" und „net" nichts.Russisch verstand.Am Nachmittag kamen sie im Dorf an.„Mr misse nächtige hier", sagte Iwan Petrowitsch zu Vetter Hanspeter.„Gewiß doch misse mr", stimmte dieser zu. „Bis mr n Ochs gekaaft hun, ises Nacht."Übernachten —jawohl! Aber auf welche Weise werden es die beiden den Leuten hier zu verstehen geben, dass sie ein Nachtquartier brauchen. Das war aber ein Problem;Da war guter Rat teuer. In der Mitte des Dorfes hielten sie vor einem großen Bauernhaus ihr Pferd an. Der Haus-wirt saß auf der Torbank und rauchte. Iwan Petrowitsch stieg vom Wagen ab und sagte:„Sdrast je, Kasain! Skoro notsch..."„Sdrastje, sdrastje", sagte der Hauswirt. „Otkuda putj dershite?"„Was saatr?" fragte Iwan Petrowitschseinen Begleiter.„Der meent, wann's uns gfalle tat, solle mr neifahre in sei Hof."„No, dann macht's Tor uf, Vetter Hanspeter", rief Iwan Petrowitsch freudig. „Mr hun mehr Glück wie Vrstand."Der Hauswirt schüttelte den Kopf: „Eijejei!"Iwan Petrowitsch nickte zufrieden: „Hättrsch vrstanne,Vetter Hanspeter? Mr solle unserem Gaul Hei 'vorlege."Als sie ihr Pferd im Stall untergebracht hatten, nahmen sie ihren Eßsack und traten in die Küche, wo die Hausfrau hantierte. Iwan'Petrowitsch sah den Samowar auf den Tisch stehen und wandte sich an die Hausfrau:„Kuschai, schai nado, heit ises heeß." Dabei klopfte er einige Male auf den Samowar.Die Frau nickte den beiden Männern freundlich zu und goß ihnen Tee ein.So, ein schwieriges Problem war gelößt.

Iwan Petrowitsch kratzte sich lange hinterm Ohr.„Wie brenge mrsch awr jetzt an Tag, daß mr n Ochs kaafe wolle?" fragte er Vetter Hanspeter.„Do reecht mei bisje Vrstand net drzu, Iwan Petrowitsch."„Hall!" rief Iwan Petrowitsch plötzlich und sprang auf.„Ich hun's! Ich hun's gfunne!"Er faßte den Hauswirt beim Arm und sagte:„Paschol, naus, na Äschekippel!"Als er dann mit dem Hauswirt auf dem Aschenhaufen stand, beugte er sich tief vorüber, so daß er auf allen vieren zu stehen kam, schnickte ein paarmal mit dem Kopf kräftig, brummte wie ein Ochs und scharrte mit dem hinteren Gliedmaßen die Asche von sich, daß es nur so staubte...Der Hauswirt kugelte sich vor Lachen.„Jest, jest u menja byk", sagte er und wischte sich die Tränen aus den Augen. „Siesaj, Iwan Petrowitsch!"Vetter Hanspeter sperrte Maul und Nase auf.Iwan Petrowitsch richtete sich auf. „Daß mr n Ochs kaafe wolle, vrsteht der Mann", sagte er. „Awr mr misse n doch klarmache, daßes n gcmeene Ochs sei muß, war dodrvor gibt's im Ruschige noch kee Wort, do muß ich nochmo'l ufn Aschenkippel krawwele und klarmache,was n gmeener Ochs is."

Er betrat den Aschenhaufen und machte sprunghafteKörperbewegungen...Und wieder kriegelte sich der Hauswirt vor Lachen.Endlich nahm er Iwan Petrowitsch bei der Hand un führte ihn zum Nachbarn, der einen Zuchtbullen zu- ver-kaufen hatte.Auf dem Rückweg hob Iwan Petrowitsch den Zeigefinger und sagte zu Vetter Hanspeter:„Paß uf, daßte mr nix vrzählst, wie mr den Ochs gkaaft nun!"„Gott bewahre!"

Aber schon am nächsten Tag pfiffen es die Spatzen von allen Dächern, und unser ganzes Dorf lachte, daß die Wände wackelten. Der Obervorsteher aber hatte sich für längere Zeit in seine vier Wände verkrochen. Zum Ochsenkauf fuhr er nicht mehr.
Интересуют колонии и люди Гнаденфлюрского (Федоровского) кантона

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